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  • AutorenbildChristian Einig

Rastafari: Vorurteile, Mythen und gefährliches Halbwissen

Aktualisiert: 25. Apr.

Sucht man im Internet nach Rastafari erhält mal schnell artverwandte Themen und Assoziationen zur Sache. Viele davon sind aus meiner Sicht nicht korrekt, bzw. werden zu dogmatisch und „hart“ betrachtet und interpretiert. Auf die aus meiner Sicht „krassesten“ Vorurteilen und Mythen möchte ich eingehen. Big up for realness!

 

Frisur, Haare, Rasta-Zöpfe

Die bekannte Haarpracht vieler Rastafari wird fälschlicherweise oftmals als „Rasta-Zöpfe“ bezeichnet. Die korrekte Bezeichnung lautet Dreadlocks! Ja, viele (wahrscheinlich sogar die meisten) Rastas tragen Dreadlocks. Als Identität und als Erkennungszeichen. Wieso gerade diese Frisur?! Die Rastas interpretieren diverse Stellen in Bibel und in anderen heiligen Schriften so, dass eine Regel lautet: Wir schneiden unsere Haare nicht. Weder auf dem Kopf, noch auf dem Gesicht, noch sonst wo. Außerdem vertreten viele die Meinung, dass ein Rasta mit Dreadlocks einem Löwen, bzw. die Frisur einer Löwenmähne sehr ähnlich kommt. Der Löwe ist das Tier für die Rastas. Wieso und weshalb, könnt ihr gerne im Netz nachlesen, wenn ihr nach „Löwe von Judah“ sucht.


Ableitung: Nicht jeder, der Dreadlocks trägt ist ein Rasta. Und die andere Ableitung lautet, du musst keine Dreadlocks tragen, um ein Rasta zu sein! Es geht bei Rastafari nicht darum, was du mit deinem Erscheinungsbild verkörperst oder darstellst, es geht bei Rastafari darum, was du im Herzen trägst! Und da ist die Frisur nun wirklich zu vernachlässigen … Jeder soll auf dem Kopf und im Gesicht doch bitte tragen, was er möchte. Wer gerne Dreadlocks trägt und somit seinem Rasta-Lifestyle Ausdruck verleiht, top! Wer eine Glatze trägt oder eine Dauerwelle oder eine Vokuhila kann genauso Rasta sein.


Bei den Boboshanti-Rastafaris werden die Dreadlocks sogar durch Kopfbedeckungen und Haarschleier versteckt und somit gar nicht nach Außen gezeigt … Was wir im Herzen tragen ist wichtig und nicht die Frisur, die wir auf dem Kopf tragen!


Rastas sind ständig am Kiffen

Marihuana und Rastafari sind sehr eng verknüpft. Durch die Medien wurde durch (aus meiner Sicht) ein falsches Bild vom Umgang der Rastafaris mit Cannabis vermittelt. Das Bild, dass Rastas ständig bekifft irgendwo rumchillen und das der Lifestyle ist, ist schlichtweg nicht korrekt. Bestimmt mag es Rastas geben, die genau das tun. Aber bestimmt gibt es genau so viele (wenn nicht sogar noch mehr) Nicht-Rastas, die genau das tun. Bei den Rastas geht es bei Thema Cannabis um etwas ganz Anderes, als in unserer westlichen Welt vermittelt wurde.


Achtung, jetzt kommt ein Knaller: Nicht alle Rastas rauchen Gras! Ja, du hast richtig gelesen… Wahrscheinlich tun es die meisten, korrekt – aber man muss kein Gras rauchen, um ein (echter) Rastafari zu sein. Für die Rastas ist der Konsum von Cannabis ein göttlicher und heiliger Akt! Es geht darum, eins mit Jah zu werden und zu einem selbst zu finden. Wer mit „the most high“ in Verbindung treten möchte, sollte den richtigen Fokus, den richtigen Vibe und die richtige Stimmung habe. Um genau diesen Zustand zu erreichen, konsumieren Rastas Cannabis. Dafür haben die Rastas übrigens sehr, sehr viele unterschiedliche Bezeichnungen. Ähnlich so viele, wie wir in der westlichen Welt Sprichwörter haben, wenn man sich betrinkt (einen hinter die Binde kippen, die Festplatte formatieren, … ich denke ich wisst was ich meine…).


Um gemeinsam zu beten, zu singen, „eins mit Jah zu sein“, ein Reasoning abzuhalten, Dinge zu zelebrieren, … rauchen die Rastas Gras. Man kann es ein kleines bisschen damit vergleichen, wenn die Christen ihre Hostie zu sich nehmen (das Lamm Gottes). Für die Rastas ist das Lamm Gottes eben nicht eine Hostie, sondern Marihuana. Rastas rauchen nicht Gras, primär um einen Rauschzustand zu erhalten. Der Rauschzustand trägt dazu bei, zu Gott zu finden und dem wesentlichen auf den Grund zu gehen und dafür hilft der Rauschzustand immens. Es ist also Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck! Ich denke, hierin liegt der große Unterschied…


High zu sein bedeutet für die Rastas, nah bei Jah (the most high) zu sein. Ableitung: Rastas sind nicht ständig breit, stoned oder zugedröhnt, sondern Rastas konsumieren Gras aus spirituellen Gründen, um erleuchtet, dankbar und „in tune with jah“ zu sein. Und du musst kein Gras rauchen, um ein Rastafari zu sein!


Rastafari ist eine Religion

Nein, Rastafari ist keine Religion! Man wird nicht getauft oder dergleichen und es gibt keinerlei „Aufnahmerituale“, um Rasta zu sein. Rastafari ist eher ein „Way of life“, eine Art spiritueller Wegweiser. Ja, es geht bei Rastafari auch um Gott und das Göttliche an sich, aber ohne eine dogmatische Religion zu sein. Rastas glauben an Gott und an die Bibel, speziell die Inhalte der Offenbarung. Aber all das, ohne eine Religion zu sein, bzw. sein zu wollen!


Bob Marley ist der Rasta Gott

In vielen Medien kursieren Aussagen, Bob Marley wäre ein oder der Rasta Gott. Bob Marley spielt(e) eine sehr große Rolle für Rastafari, ja – aber er ist nicht der Gott der Rastas! Rastas glauben an Jah Rastafari, den Allmächtigen und an Kaiser Haile Selassie, als die Wiedergeburt Jesu Christi (wer mehr dazu wissen möchte, sucht im Netz)! Bob Marley hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Rastafari in die Welt getragen wurde und vor allem in den Regionen der Welt bekannt gemacht wurde, die zuvor nichts von Rastas gehört haben. Seine Musik verkörpert Rastafari und somit hat seine Musik Rastafari in die (große) Welt getragen. Aber er ist kein Gott für Rastafari! Eher eine Art „Elder“, Botschafter oder Hüter von Rastafari.


Rastas haben stets schwarze Hautfarbe

Schon wieder falsch. Ganz sicher hatten alle (!) ersten Rastas schwarze Haut. Die Rastafari-Bewegung war im Ursprung eine Bewegung „des schwarzen Mannes“. Es ging im Ursprung darum, sich von der Sklaverei zu lösen und endlich dieselben Rechte zu haben, wie „der weiße Mann“. (Sehr verkürzt umschrieben, wer mehr Infos will, findet diese)


Heute, im Jahr 2024, gibt es schwarze, weiße, rote, gelbe Menschen, die sich als Rasta bezeichnen, Rasta fühlen und für die Grundidee der Rastas einstehen. Wichtig ist das, was wir im Herzen tragen (siehe hierzu auch die Thematik Frisur / Dreadlocks) und nicht welche Hautfarbe wir haben! Jeder kann und darf Rasta sein. Wirklich jeder!


Rastas haben etwas gegen weiße Menschen

Wer den vorherigen Abschnitt gelesen hat, weiß vielleicht auch ein wenig, woher diese Aussage stammt. Ja, früher hatten die Rastas ganz sicher etwas gegen weiße Menschen. Aber nicht, weil es Menschen mit weißer Haut waren, sondern es ging darum, dass es Menschen waren, die die schwarzen Menschen (und Rastas) unterdrückten, versklavten und misshandelten.


Rastas haben per se Nichts gegen eine gewisse Gruppierung an Menschen oder Gattungen. Rastas haben etwas gegen Unterdrückung und Ungleichheit, egal von wem solche Dinge ausgehen. Oftmals wird heute noch „Babylon“ als das Unterdrücker-System betrachtet und von den Rastas verachtet. Das hat aber nichts mit der Hautfarbe zu tun, sondern eher mit den Ergebnissen der Politik (und der Wirtschaft).


Habe ich wichtige Vorurteile vergessen? Gibt es weitere vermeintliche Fakten, die klar gestellt werden sollten?! Mir fällt zum jetzigen Zeitpunkt nichts ein … Dir? Dann schreib mir gerne oder nutzt die Kommentar-Funktion des Blogs.

 

Bless & Love





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